DE ANGELIS

Elio de Angelis - Der letzte Gentleman

Er war einer der letzten Gentleman in der Königsklasse des Motorsports. Hans Göttler von Motorsport Yesterday blickte 2001 auf die Karriere des Elio de Angelis.


Elio de Angelis im Lotus von 1981 (c) Adrian Wirz Fotografie
Elio de Angelis im Lotus von 1981 (c) Adrian Wirz Fotografie

Der am 26.3.1958 als Sohn reicher Eltern in Rom geborene Elio hatte schon mehr als 10 Jahre Erfahrung im Kart-Sport hinter sich (und war sogar Kart-Weltmeister), als er mit 19 Jahren in die italienische Formel 3 - Meisterschaft einstieg, und dabei schon in seinem erst dritten (!) Monoposto-Rennen auf der obersten Stufe des Siegerpodests stand. Am Ende der Saison war er dann auch F3-Meister. Im Jahr darauf siegte er beim prestigeträchtigen F3-Rennen in Monaco, während es in der Formel 2 nicht wunschgemäß lief. Da er dabei mit seinen Gefühlen nicht hinter dem Berg hielt, wurde er als eine Art verdorbene Primadonna angesehen (auch wegen der Unterstützung seines reichen Vaters) - diesen schlechten Ruf konnte er im weiteren Verlauf seiner Karriere nachhaltig ins Gegenteil umkehren.

Mit gerade 20 Jahren debütierte der im Formel-Sport relativ unerfahrene Elio auf Shadow in der Formel 1. Obwohl dieses Team auf dem absteigenden Ast war, holte Elio dank seines nicht geringen Talents das Beste aus dem schlechten Auto, was auch dem legendären Lotus-Chef Colin Chapman nicht verborgen blieb, der ihn für 1980 verpflichtete. Gleich beim zweiten GP in Brasilien rechtfertigte Elio das in ihn gesetzte Vertrauen mit einem 2. Platz, dem er in den darauf folgenden 5 Lotus-Jahren bei insgesamt 91 Starts noch weitere 41 Platzierungen in den Punkten folgen ließ. Das Highlight dabei war sicher sein Sieg beim GP von Österreich 1982, als er in einem Foto-Finish den angehenden Weltmeister Keke Rosberg um 5 Hundertstelsekunden distanzierte. Auch war dies gleichzeitig der letzte Sieg unter der Regie von Colin Chapman, sowie der 150. GP-Erfolg für einen Ford-Motor.

1983 war ein Übergangsjahr für das Team und Elio, als sie unter der mangelnden Standfestigkeit ihres nun von einem Renault-Turbo angetriebenen Wagens litten - 2 kümmerliche WM-Punkte für den 5. Platz in Monza waren die einzige Ausbeute. Dies sollte sich in den nächsten beiden Jahren wieder ins Positive umkehren, als Elio sogar das WM-Klassement anführte, um schließlich Dritter (1984) bzw. Fünfter (1985) zu werden. Beim GP San Marino 1985 holte er auch seinen zweiten Sieg, wobei er von der Disqualifikation des Ersten (Alain Prost) profitierte. In diesem Jahr bekam er bei Lotus (als Nachfolger von Nigel Mansell) Ayrton Senna als neuen Teamkollegen, der ihn ziemlich bald nur noch die zweite Geige spielen ließ. Da Elio annahm, dass sich dieser Zustand nicht mehr ändern würde, wechselte er für das folgende Jahr zu Brabham.

Leider konnte er mit dem radikalen, aber enttäuschenden BT55-"Bügelbrett" nur einen seiner vier GPs beenden (als 8.), bevor es am 15. Mai zu offiziellen FOCA-Testfahrten nach Le Castellet ging. Die offizielle Unfallursache wurde nie bestätigt; es wird aber angenommen, dass Elios Brabham bei über 300 km/h den Heckflügel verlor. Der Wagen stieg auf und überschlug sich ein paar Mal, um mit den Rädern nach oben liegen zu bleiben. Benzin tropfte auf den heißen Turbo, und als Alan Jones seinen Lola anhielt, brannte schon ein kleines Feuer. Zwei Streckenposten an der Unfallstelle waren schlecht ausgerüstet, auch hatten sie keine feuerfeste Kleidung. So breitete sich das Feuer weiter aus, und als endlich Hilfe von den Boxen kam, war es unmöglich, den Wagen umzudrehen.

Wie sich später herausstellte, war Elio vom Unfall an sich nicht schwer verletzt (er hatte nur ein gebrochenes Schlüsselbein), und hätte ziemlich schnell geborgen werden können. Wegen des Feuers war dies jedoch nicht möglich. Als endlich ein Löschfahrzeug eintraf, war es viel zu spät. Es dauerte geschätzte acht Minuten, bis das Feuer unter Kontrolle war. Zwar war mindestens ein Arzt beim Verunglückten, aber kein Rettungshubschrauber. So konnte Elio nicht mehr gerettet werden - er starb im Krankenhaus an Erstickung. Das ganze war die sinnlose Wiederholung der Tragödie um Roger Williamson beim GP Holland 1973 - außer dass es in den hochtechnisierten 80ern geschah. Zumindest hatte Elios Tod gravierende Änderungen für das Umfeld bei Testfahrten zur Folge.

In den Statistiken stehen hinter Elios Namen 2 Siege, 3 Poles und insgesamt 122 WM-Punkten bei 108 GP-Starts; dies mag vielleicht wenig erscheinen, aber in einer Zeit, die von Lauda, Prost, Senna, Piquet, Rosberg und Mansell dominiert wurde, mussten Erfolge schwer erkämpft werden. Elio setzte seine Zeichen abseits der Strecke; so war er bei seinen Teamkollegen bzw. -Mitarbeitern sehr beliebt. Vom damaligen Lotus Teammanager Peter Collins stammt die Aussage, dass er ein äußerst talentierter Fahrer war, mit einem wundervollen Stil und Technik, sehr sicher und sehr schnell. Auch dachte Peter Collins, dass viele Leute übersahen, wie oft Elio so schnell wie Ayrton Senna war oder sich vor diesem qualifizierte.

Jan Lammers, sein Teamkollege bei Shadow, bezeichnete ihn als prima Kerl und Gentleman, einen der Nettesten in der F1. "Elio verfügte über unglaublich viel Klasse." Peter Wright (damals Techniker bei Lotus) erinnert sich, dass "von all den Fahrern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, Elio wahrscheinlich derjenige war, den ich am meisten mochte." Keke Rosberg sagte vor kurzem nach Michele Alboretos tödlichem Unfall beim Testen, dass er von den Fahrern, mit denen er nicht in einem Team war, zwei als außergewöhnlich betrachtete: "Der eine war Elio, der andere Michele ..."

Mir selbst wird Elio immer in Erinnerung bleiben, wie er sich, nachdem er das Aktuelle Sport-Studio des ZDF (Nürburgring 1985) mit einer Eigenkomposition am Flügel eröffnet hatte (die ersten Bilder waren seine Hände beim Klavierspiel auf den Tasten), ganz bescheiden und etwas verlegen für den Applaus beim Publikum bedankte - schon beim Fahrerstreik in Südafrika 1982 hatte er seine Talentproben am Klavier gegeben, begleitet von Gilles Villeneuve mit der Trompete...


Die Welt des Elio de Angelis

Ein kleiner Einblick von Tom Distler...

Elio de Angelis gehörte immer zu meinen Favoriten. Gründe? Gut, sensibel, sympathisch und lange Jahre beim legendären schwarz-goldenen Lotus-Team. Spitzenpilot neben Mario Andretti, Nigel Mansell oder Ayrton Senna. Sternstunde 1982 beim Grand Prix von Österreich: Elio lag in Führung und wehrte sich die letzten 5 Runden gegen Keke Rosberg im schnelleren Williams, der mächtig aufholte. Fotofinish! Erster Sieg! Seine hübsche Lebensgefährtin Ute lief im weißen Dress durch die Absperrung zur Siegerehrung. Riesige Freude. Elio beim Interview. Sein Bruder im Hintergrund. Siegesfeier auf Sardinien. Ständig von Freunden und Familienmitgliedern umlagert. Andrea und Fabiana, seine Schwestern. Der komplette Clan: Herzliche Menschen...

Das ehemalige BRAVO-Girl Ute Kittelberger berichtete 1986 in BILD DER FRAU vom Leben an der Seite des italienischen Rennfahrers...

Hier ein Auszug: 5 Jahre Formel 1. Gestern Nürburgring, heute Rio, morgen Südafrika. Die Rennen sind nur alle 2 Wochen. "Dazwischen haben wir immer 10 Tage für uns. Auf Sardinien, in Monte Carlo, in den Häusern seiner Eltern, bei meinen Eltern, auf dem Motorboot." Nelson Piquet, "ein rassiger Frauentyp aus Brasilien", Weltmeister von 1981 und 1983, war mal der beste Freund von Elio. "Inzwischen ist Keke unser bester Freund. Irre, wie die Groupies ihm nachlaufen. Doch er ist seiner Sina treu. Für mich ist sie eine sehr gute Freundin. Elio ist der beste Spagetti-Koch, den ich kenne. Er kocht für mich." Tagesprogramm? "7 Uhr wecken. Kein Alkohol. Immer Diät und Spezial-Gymnastik." Sie lieben sich, planen eine gemeinsame Zukunft, aber wissen um die Gefahr. Jede Sekunde ist kostbar. Weshalb Rennfahrer? Es macht ihn einfach glücklich...


Aufruf: Wir wollen die Erinnerung an Elio de Angelis immer aufrecht erhalten. Du kanntest ihn noch persönlich und / oder willst uns deine Fotos bzw. Anekdoten für die Homepage zusenden? Dann würden wir uns sehr freuen: f1yesterday@gmx-topmail.de (Danke!)

Fahrer der Turbo Ära: www.motorsport-yesterday.de/was-macht

Fahrerduos (1980-1989): www.motorsport-yesterday.de/fahrerduos

Fahrer der 80er Jahre: www.motorsport-yesterday.de/a80er-jahre

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